Acht Jahre hat Frederic Brendel die Fußballer des FC 1920 Thüngen trainiert – und das überaus erfolgreich: Zweimal in Folge gelang der 1. Mannschaft in dieser Zeit der Aufstieg: Sie marschierte von der A-Klasse in die Kreisliga durch, die sie in dieser
Saison auf Platz 7 erfolgreich abschloss.
Nach dem letzten Spiel gegen die SG Burgsinn hieß es nun Abschied nehmen von dem langjährigen Spielertrainer und von Torwart Julian Mehling, der den Erfolg der Mannschaft in den zurückliegenden Jahren ebenfalls maßgeblich mitbestimmt hatte.
Zum Heimspiel gegen die SG Burgsinn liefen die Spieler Hand in Hand mit Kindern auf den Platz, um die besondere Bedeutung des Saisonabschlusses zu unterstreichen. „Das war eine sehr, sehr erfolgreiche Zeit, die du nicht nur als Trainer, sondern auch als Spieler begleitet hast,“ verabschiedete Vorsitzender Klaus Enzmann den scheidenden Spielertrainer im Namen seiner Vorstandskollegen, Christopher Heafey und Klaus Schäfer. Brendel hatte 130 Spiele absolviert, 61 Tore geschossen und 69 vorbereitet. Enzmann erinnerte an die sehr spannenden und aufregenden Relegationsspiele und an die zurückliegende Saison, bei der den Fußballern nach einem sehr schlechten Start eine fulminante Aufholjagd gelang, die der Mannschaft zum Saisonende 39 Punkte bescherte. Er richtete ein großes Kompliment an die Mannschaft.
Als „Urgestein“ bezeichnete der Vorsitzende Julian Mehling, der zwischenzeitlich für zwei Jahre in Retzbach das Tor gehütet hatte. „Du hast mit deiner Torwartleistung viele Spiele für uns gewonnen und warst immer ein Garant in der Abwehr,“ lobte Enzmann den Spieler, der –selbst wenn er einmal verletzungsbedingt auf der Bank bleiben musste – immer als Motivator am Spielfeldrand dabei war. Gegen die SG Burgsinn durfte Mehling noch einmal ran und sein Können eindrucksvoll unter
Beweis stellen.
Der Dank der Vorstandschaft galt auch den Ehefrauen der beiden Fußballer, Lisa Brendel und Vanessa Mehling, die in dieser Zeit auf Vieles verzichten mussten sowie den vielen Fans, die selbst bei Auswärtsspielen meist eine der größten Fangruppen
gestellt hätten.
Emotionale Abschiedsfeier mit der Mannschaft
Nach dem letzten Rundenspiel – und einem 2:0 Sieg über Burgsinn – hieß es dann am Abend auch im Kreis der Fußballer Abschied zu nehmen. Heiko Steinkampf hatte einen detailreichen, emotionalen und lustigen Rückblick vorbereitet, der Spieler wie Fans an eine sehr schöne und spannende Zeit erinnerte. „Sportlich war das eine Katastrophe,“ dachte Steinkampf an die Saison 2017/18 zurück. Gegner waren damals fast ausschließlich zweite Mannschaften, fast wären die Thüngener gar in die B-Klasse abgestiegen.
Letztendlich ist es vielleicht einer Knieverletzung zu verdanken, dass Frederic Brendel Trainer in Thüngen wurde. Jedenfalls zwang ihn die Verletzung zum Rückzug als aktiver Spieler beim Landesligisten Leinach. Und auch in Thüngen saß der damals 26jährige zunächst nur auf der Bank. Allerdings brachte er neben Co-Trainer Jochen Rettner auch einige Neuzugänge mit. Besonderes Augenmerk legte er auf den Thüngener Felix Karle, der damals in Karlstadt kickte. Alle vorherigen Versuche der Mannschaft, den Spieler nach Thüngen zurückzuholen, scheiterten. Nun sollte ihn ein Video seiner zukünftigen Mitspieler dazu bewegen, das grün-weiße Trikot überzuziehen. Mit Erfolg! Besonders erfreulich für die Thüngener: Auch Bruder
Philipp wechselte von Karlstadt zu seinem Heimatverein. Zusammen mit zwei U19-Spielern, die zu den Erwachsenen aufrückten, vergrößerte sich der Kader merklich. Vom neuen Trainer gab es auch gleich neue Trikots für die Spieler. „Daran sollte es
die kommenden acht Jahre nie mangeln,“ wie Heiko Steinkampf augenzwinkernd bemerkte.
Lange Zeit spielte der FC Thüngen in der ersten Trainersaison von Brendel vorne mit, landete dann aber doch nur auf Platz drei. Mit Corona kam das Spiel dann für nahezu zwei Jahre fast zum Erliegen. Klare Zielvorgabe danach: Den Aufstieg in die Kreisklasse schaffen. Erfolgreich konnten zwei weitere Spieler gewonnen werden. Zudem kam Torwart Julian Mehling 2019 zurück zu seinem Heimatverein. Dennoch reichte es in der Saison 2021/22 nur für den Relegationsplatz. Beim entscheidenden Spiel in Zellingen gegen Güntersleben gab es zum ersten Mal die „grüne Wand“, wie Steinkampf die in Vereinsfarben ausgestatteten Zuschauerfans nannte: „Das hat richtig Spaß gemacht vor dieser Kulisse zu spielen.“ Nach dem erfolgreichen Aufstieg in die Kreisklasse ging es mit dem Traktor durch Thüngen, wo sich die Spieler im Rathaus ins Gemeindebuch eintragen durften. Abgerundet wurde die Saison mit einer denkwürdigen Fahrt nach Prag.
Nach dem Motto „Dreistigkeit siegt“ wurde für die folgende Saison das Ziel ausgegeben, gleich noch ein weiteres Mal aufzusteigen. „Ob wir daran geglaubt haben, weiß ich nicht,“ resümierte Steinkampf. Doch es lief überraschend gut und schon drei Spieltage vor Saisonende stand Thüngen als Meister fest. Was natürlich wiederum feste gefeiert werden musste, wie Heiko Steinkampf anhand von Fotos eindrucksvoll belegen konnte. Nach dem letzten Spiel gegen Wombach ging es erneut zum Thüngener Rathaus und auch eine zweite große Abschlussfahrt musste her, dieses Mal nach Mallorca. Auch hier konnten (ausgewählte) Fotos nur erahnen lassen, wie ausgiebig der zweite Aufstieg dort gefeiert wurde.
„Komplett ohne Druck“ machten sich die Spieler an die Saison 2023/24. Geplant war, dass nach Ende dieser Saison die beiden Trainer ausscheiden. Doch etwas überraschend kam es schon nach der Winterpause aufgrund „unterschiedlicher Auffassungen“ zur Trennung – wenn auch nur kurzzeitig. Interimsweise übernahm Abteilungsleiter Roland Kosikors spontan die Trainingseinheiten bis er mit Frank Hofer und Dorian Peter ein neues Duo bis Saisonende gefunden hatte. Dankenswerter Weise übernahmen die Beiden das Traineramt und gaben den Mannschaften den notwendigen Rückhalt. Gemeinsam schafften sie den Klassenerhalt auf dem 11. Tabellenplatz. Ende der Saison kehrte Frederic Brendel als Spieler wieder zurück.
Zum zweiten Jahr in der Kreisliga in der Saison 2024/25 war Brendel dann auch als Trainer wieder zurück und wurde dabei von seinem Bruder Marcel und Jonas Stiel unterstützt. Nur haarscharf – mit einem Tor in der 93. Minute durch Felix Karle in Steinfeld – konnte sich die Mannschaft noch einen Relegationsplatz sichern. „Und dann war die grüne Wand zum dritten Mal da,“ erinnerte Heiko Steinkampf an das entscheidende Spiel: Zahlreiche Fans erlebten in Leinach den Sieg über Lengfeld. Klar, dass nach dem erneuten Klassenerhalt eine Abschlussfahrt hermusste. Beim Ziel Pilsen war der Name Programm. Einzelheiten konnte und wollte Steinkampf nicht preisgeben. Doch machten auch die kurzen Anekdoten zu anderen Feiern, Festen und Ausflügen deutlich: Hier stimmt der Zusammenhalt.
Die Saison 2025/26 startete mit dem Trainerduo Malte Schulze-Happe und Frederic Brendel. Erfreulicherweise wechselte nun auch Paul Karle vom Landesligisten Karlburg nach Thüngen zu seinen zwei Brüdern und verstärkt seitdem die Mannschaft. Allerdings kam schon zur Winterpause die Trennung von Schulze-Happe und Frederic Brendel übernahm wieder alleine das Training. Am 9. Spieltag hatten die Thüngener allerdings noch 0 Punkte. „Schlechter geht´s nicht,“ kommentierte Heiko Steinkampf trocken. Doch dann ging es steil bergauf und 5 von 7 Spielen in Folge gingen auf das Konto der Thüngener.
„Du hast uns von ganz unten nach oben geführt, sodass wir aktuell über allen Mannschaften im Umkreis spielen, die zuvor über uns lagen. Du hast mitgeholfen, dass der FC Thüngen noch immer eigenständig ist und positiv in die Zukunft blicken kann,“ dankte Steinkampf im Namen der Mannschaft. Er verband seinen Dank mit der Hoffnung, dass Frederic Brendel nach einer Erholungspause zu seinem Team als Spieler zurückkehrt.
Die Gebrüder Brendel als Motor der Entwicklung
Auch Bruder Marcel Brendel ließ es sich nicht nehmen, an diesem Abend auf die Entwicklung seiner Mannschaft zurückzublicken. „Ich bin unfassbar stolz, was passiert ist. Das ist der Wahnsinn,“ so Brendel. Sein Appell: „Haltet zusammen, sieht es durch. Das Potential ist da!“ Er hatte erst vor kurzem ein Mannschaftfoto der U7 in der Hand, die er einst gemeinsam mit Roland Kosikors trainierte. Von den zehn Kindern von damals sind heute immer noch acht dabei.
Er dankte allen, die die Mannschaft in den vergangenen Jahren unterstützt haben – von den Betreuern, über die Pflege des Rasenplatzes, die Bewirtung der Heimspiele, und dem Waschen der Trikots bis hin zum aktuellen Umbau der neuen Spielerkabinen und den treuen Fans. Sein Dank galt auch Abteilungsleiter Roland Kosikors und Jonas Stiel, die mit ihm in den zurückliegenden Wintermonaten fast 100 Stunden für die Trainer- und Spielersuche aufgewandt hatten. Wie bereits berichtet wird Alexander Münz ab der nächsten Saison das Training leiten.
Marcel Brendel dankte Julian Mehling für seinen Einsatz. „Du bist eine Fackel für den Verein. So jemanden wie dich verliert man nicht gerne,“ bedauerte Brendel, auch wenn er Verständnis dafür zeigte, dass Mehling aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht mehr weiterspielen könne. „Aber sehr schön, dass du als Torwarttrainer mit dabei bleibst.“ Brendel selbst möchte in der nächsten Saison wieder mit angreifen – so lange es der Körper des bald 40jährigen zulässt.
An seinen jüngeren Bruder gewandt sagte er: „Ich hätte es mir nie träumen lassen, dass ich einmal gemeinsam mit dir auf dem Platz stehe und eine Mannschaft aufbaue.“ Er erinnerte an die gemeinsame Kindheit, bei der er Frederic zu Spielen und Sichtungsturnieren fahren musste. Während Frederic vor acht Jahren noch in der Landesliga kickte, spielte Marcel in der Kreisklasse in Gambach – und die Thüngener in der A-Klasse. Auch Dank des Verhandlungsgeschicks des damaligen
Mannschaftsverantwortlichen, Dominik Seubert, gelang es schließlich, seinen Bruder als Trainer zu gewinnen.
„Danke für all die Jahre Herzblut und dass wir das umgesetzt haben, was wir uns vorgenommen haben,“ so Marcel Brendel. Zum Abschied hatte er für seinen Bruder zu jeder Saison ein Heft mit Presseberichten und Fotos der Mannschaften zusammengestellt. Und von den Fußballern erhielt Frederic Brendel neben einem gerahmten Mannschaftstrikot mit seiner Erfolgsbilanz eine Fahrt mit dem Würzburger Schoppenexpress als „krönender Abschluss einer unvergesslichen Zeit.“










